<ANEKDOTEN>

Vier Jahrhunderte Marsanekdoten

 

1:  Die Marsmonde

"s.m.a.i.s.m.r.m.i.l.m.e.p.o.e.t.a.l.e.u.m.i.b.u.n.e.n.u.g.t.t.a.u.i.r.a.s."
So lautet das Anagramm, das Galilei 1609 an Kepler schickte. Der berühmte Astronom teilte auf diese Weise seine Entdeckung von Saturnsatelliten mit. Damit begann auch eine Verwechslung, die die Geschichte des Mars nachhaltig beeinflussen sollte.
Wenn man die Buchstaben in die richtige Reihenfolge bringt, ergibt sich: Altissimum planetam tergeminum observavi ("Ich habe einen unendlich weit entfernten dreigestaltigen Planeten beobachtet"). Kepler dachte allerdings nur an Mars. Völlig in seinem Wunschdenken befangen, ordnete er die Buchstaben folgendermaßen: Salue umbistineum gemnatum Martia proles. ("Den beiden Freunden, Kinder des Mars, zum Gruß!") Damit tauchten - auf einem Irrtum beruhend - zum ersten Mal in der Geschichte der Marsliteratur die beiden Monde des Mars auf. Danach begegnen sie uns 1727 in Jonathan Swifts Gulivers Reisen wieder. Kepler und auch Swift landeten damit einen Geniestreich, denn 150 Jahre später wurde ihnen Recht gegeben: Mars hat in der Tat zwei Satelliten, Phobos und Deimos. So heißen in der antiken Mythologie die Pferde, die den Wagen des Kriegsgottes Mars ziehen.

2: "Mars hat einen dritten Mond!"

Diese spektakuläre Nachricht lasen Tausende von Amerikanern am 30. August 1877 in der New York Times. Die Tageszeitung teilte mit, zwei Astronomen aus New York und Washington hätten von dem privaten Observatorium in Hastings-on-the-Hudson aus den dritten Mond des Mars entdeckt. Eine Entdeckung, die im übrigen nie bestätigt wurde.

3: "Marsmenschen sprechen mit den Irdischen"

· Die Marsmenschen schicken Lichtzeichen auf die Erde! Diese Nachricht beherrschte 1888 die Schlagzeilen. Einziger Beweis: Der Augenzeugenbericht eines einzigen Astronomen! Ein anderer Astronom, der ein bißchen zu aufmerksam (um nicht zu sagen: von Halluzinationen getrübt) den Mars beobachtete, entzifferte auf ihm hebräische Buchstaben, die das Wort Shajdai ("der Allmächtige") bedeuten soll.

· Zu jener Zeit beschloß auch Clara Goguet Guzman, eine Witwe aus Frankreich, demjenigen 100 000 Francs zu schenken, dem es gelänge, in den kommenden 10 Jahren mit einem Stern zu kommunizieren. Der Mars scheint am ehesten für einen solchen interplanetarischen Austausch geeignet. Daraufhin kam jemand auf die Idee, riesige Buchstaben in den Wüstensand der Sahara zu zeichnen. Dieses Vorhaben inspirierte den amerikanischen Astronomen Edward Emerson Barnard zu folgender Fiktion: Die Erdbewohner schicken den Marsbewohnern eine Botschaft: "Warum schickt Ihr uns Zeichen?" Die Antwort lautete: "Wir sprechen nicht mit Euch, wir schicken Zeichen zu Saturn."

· Die Fernsprechtechnik steckte noch in den Kinderschuhen, als mehrere Wissenschaftler bereits daran dachten, ein interplanetares Telefon zu entwickeln. 1909 schlug William Pickering vor, riesige Spiegel aufzustellen, um Lichtzeichen zum Mars zu schicken.

4: "Irdische Geister sprechen mit Marsmenschen"

Letztlich ist es einfacher als es scheint, mit dem Mars zu kommunizieren: Man muß sich nur ein bißchen konzentrieren. Um die Jahrhundertwende, als sich die Psychoanalyse entwickelte und parapsychologischen Erscheinungen immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt wurde, gab es zahlreiche Berichte über telepathische Kommunikation mit Marsmenschen. 1896 hatte Helen Smith eine Vision von den Landschaften des Roten Planeten. Mit den Marsmenschen zu kommunizieren, bereitete ihr überhaupt keine Schwierigkeiten: plötzlich sprach sie fließend "mars" (das merkwürdigerweise stark dem Französischen ähnelte). Drei Jahre später stattet eine Patientin von Carl Jung, während sie sich in Trance befindet, dem Mars einen Besuch ab. Noch Merkwürdiger ist das Erlebnis von Frau Smead, die 1901 mit ihrer toten Tochter auf dem Mars kommuniziert und dabei die Existenz der cañonartigen Schluchten bestätigt.

5: Die Hunde mögen Mars nicht

1911, Nakhla/Ägypten. Ein ganz gewöhnlicher Hund machte seinen täglichen Spaziergang, aber schon an der nächsten Ecke schlug seine Schicksalsstunde: Ein vom Himmel gefallener Stein drückte ihn platt wie einen Pfannkuchen. Der Meteorit wurde in den 80er Jahren als einer der 12 vom Mars stammenden Meteoriten identifiziert. Eine winzige Probe im Vergleich zu den mehreren Tonnen, die jährlich auf die Erde fallen. Im Unterschied zum Kosmonautenhund Laika hat die Geschichtsschreibung nicht den Namen dieses für die Mars-Saga gefallenen Hundes aufgezeichnet.

6: Das Foto des ersten Marsmenschenfußes

Das erste auf Marsboden gemachte Foto... ist das des "Fußes" der ersten Viking-Sonde. Tatsächlich handelte es sich um ein Testbild zur Einstellung des Fotoapparates.

7: "Es gibt kein Leben auf dem Mars... und auf der Erde auch nicht!"

Die Autoren dieser amüsanten Entdeckung sind die amerikanischen Viking-Sonden, die in den späten siebziger Jahren auf dem Mars aufsetzten. Aus der Untersuchung von Bodenproben schlossen sie das Fehlen lebender Organismen auf dem Mars. Tatsächlich aber waren die Untersuchungen nicht so zuverlässig wie man vermutet hätte. Als diesselben Untersuchungen an Gesteinsproben von der Antarktis durchgeführt wurden, ergaben sie: Kein Leben auf der Erde!

Sylvie Rouat


© 1997 ARTE G.E.I.E.