|
<ADIEU "ROCKY">
 |
|
Mars heute: Der Stand der Dinge fünf Monate nach der Ankunft von
"Pathfinder" auf dem Mars.
In der Dezembernummer von "Sciences et avenir" erschien folgender
Artikel von Sylvie Rouat: |
Juli 1997. Euphorische Stimmung bei der NASA. Die Erde hat den Fluch des
Mars besiegt. Zum ersten Mal seit mehr als zwanzig Jahren landete
die kleine Sonde "Pathfinder" problemlos auf dem Planeten Mars.
Wenige Stunden später schickte sie überraschende Bilder von Ares
Vallis zur Erde.
Heute schweigt "Pathfinder". Aber in den drei Monaten seines Dialogs mit der Erde haben die
Sonde und ihr Roboter "Rocky" etwa 16 000 Fotografien und Hunderttausende
von Informationen über die Atmosphäre und meteorologische Erscheinungen.
"Rocky" hat 15 chemische Untersuchungen des Gesteins und des Staubs
auf der Oberfläche des Planeten durchgeführt und dabei in einer
der Gesteinsproben Quarz entdeckt. Auf der Erde bildet sich Quarz,
wenn Wasser, hohe Temperaturen und starker Druck vorhanden sind.
All das ist heute nicht auf dem Mars zu finden. Das Geheimnis
bleibt ungelüftet. Allerdings erhärtet das Quarzvorkommen die
Vermutung, daß es vor 3 Mrd. Jahren reißende Ströme auf dem Mars
gegeben hat.
Ist das aber schon Anlaß genug, um von einer wissenschaftlichen
Revolution zu sprechen? Nein. Seitdem die ersten Sonden in den
sechziger Jahren den Roten Planeten überflogen haben, weiß man,
daß dort früher reichlich Wasser geflossen war. "Pathfinder" hat
hingegen ein komplexeres Bild des Planeten gezeichnet. Man ließ
die Sonde an einer Flußmündung landen und erwartete, ein Flußbett
mit rundgeschliffenen Steinen zu finden.Aber keine Spur davon!
Das heißt, wenn es in der Vergangenheit Wasser auf dem Mars gegeben
hat, ist es sehr schnell verschwunden. Nur, wohin? Auch dieses
Geheimnis konnte bislang nicht gelüftet werden. "Pathfinder" hatte
allerdings auch nicht die Aufgabe, diese Fragen zu beantworten.
Die Sonde und ihr Roboter sollten vor allem die NASA-Technologie
im besten Licht zeigen, was auch gelang: Sanft und problemlos
landete die selbständige Raumstation in zig Millionen Kilometer
Entfernung, und ein ferngesteuerter kleiner Roboter-Schuhkarton
fuhr über das steinige Marsterrain. Die gesamte Mission wurde
zudem in Rekordzeit und zu nur 1,2 Mrd. Francs durchgeführt. Damit
war die Mission für die Hi-Tech-Kundschafter beendet. Sie haben
jedoch den Weg zur eigentlichen Marsforschung eröffnet, die in
den nächsten Jahren auf dem Programm steht. Die Marssonde "Global
Surveyor", die sich auf einer Marsumlaufbahn befindet, schickt
Fotografien und Daten über das Magnetfeld des Planeten auf die
Erde. Ab 1998 machen sich im Abstand von 26 Monaten und bis zum
Jahr 2005 Zwillingsmissionen von "Pathfinder" und "Global Surveyor"
zur Eroberung des Planeten auf. Im ganzen sind ungefähr 10 Missionen
geplant.
Das große Marsfest findet allerdings ab 2003 statt, denn dann wird die NASA eine
Sonde mit einem Miniroboter auf den Roten Planeten entsenden.
Der kleine Bruder von "Rocky", der mit einem Gliederarm ausgestattet
ist, an dessen Ende sich eine Zange befindet, wird sich mehrere
Monate lang in der Steinwüste des Mars aufhalten und fossiles
Gestein suchen. Zwei Jahre später, 2005, wird eine weitere Sonde
auf den Mars fliegen, um die Steinproben einzusammeln und auf
die Erde zu bringen. Vielleicht wird man darin endlich Spuren
von Leben finden!
|