<GESCHICHTE>

Mars, der verfluchte Planet

Der Mars ist eine Art Bermudadreieck der Raumfahrt, ein Planet, auf dem ein geheimnisvoller Fluch zu lasten scheint. Denn neben den glänzenden Erfolgen der Sonden "Viking" und "Mars Pathfinder" sind es vor allem die Mißerfolge, die die Marserforschung gekennzeichnet haben. So hält der Mars den Rekord an Fiaskos...

1962: Kaum fünf Jahre nach dem Start des "Sputnik 1" nehmen die Sowjets die Eroberung des Mars mit der Sonde "Sputnik 22" in Angriff. Wenige Minuten nach dem Start explodiert die Sonde in der Atmosphäre. Ihre Trümmer werden sofort von den amerikanischen Radaranlagen erfaßt, die sie für Interkontinentalraketen halten. Mitten in der "Kubakrise" kommt es beinahe zum nuklearen Gegenschlag...
Im selben Jahr wiederholen die Sowjets ihren Versuch mit "Mars 1". Nach 106 Millionen Kilometern erfolgreichem Flug verschwindet diese Sonde allerdings von den Bildschirmen des Kontrollzentrums.

1964: Die amerikanische Sonde "Mariner 3" fliegt etwa 14.000 Kilometer an ihrem Ziel vorbei. Einige Monate später fliegen die Sowjets mit der Sonde "Zond 2" nur 1609 Kilometer weit am Mars vorbei, jedoch ohne greifbares Ergebnis.

1971: Die Sowjets geben nicht auf. Sie wollen nacheinander drei Sonden Richtung Mars schicken. Ergebnis: drei Fehlschläge. Die erste Sonde, "Kosmos 419", kann sich nicht von der vierten Stufe der Trägerrakete lösen und tritt nach zwei Tagen wieder in die Erdatmosphäre ein. Die beiden anderen Missionen ("Mars 2 und 3") sind erfolgreicher und gelangen in die Nähe des roten Planeten. Beide Sonden sollen jeweils ein Landemodul auf die Marsoberfläche senden. Die erste Landeeinheit zerschellt kläglich auf der Marsoberfläche, während die zweite Einheit die Kommunikation mit der Erde nur 90 Sekunden nach der erfolgreichen Landung einstellt.
Im selben Jahr kommt es zu Rückschlägen auf amerikanischer Seite, deren Sonde "Mariner 8" beim Start explodiert.

1973: Angestachelt durch den Erfolg der amerikanischen "Mariner"-Sonden schlagen die Sowjets ein höheres Tempo an. Sie beschließen, ein Paar identischer Sonden loszuschicken, "Mars" 4 und 5. Erstere verfehlt ihr Ziel um etwa 2000 Kilometer. Glücklicherweise für die Sowjets schafft es "Mars 5", auf Umlaufbahn zu gehen. Sie senden im August desselben Jahres ein weiteres Sondenpaar, "Mars" 6 und 7. Damit haben sie das Schicksal ein wenig zu sehr herausgefordert! "Mars 6" zerschellt auf der Marsoberfläche, nachdem die Sonde immerhin die ersten direkten Messungen der Marsatmosphäre erlaubt hat. Das Landemodul von "Mars 7" verfehlt die Marsoberfläche um etwa 1500 Kilometer. Ein bereits allzu bekanntes Szenario für die Sowjets, die sehr enttäuscht sind.

1989: Die Sowjets haben 11 Jahre gebraucht, um ihre zahlreichen Fehlschläge zu verkraften. Ihre Pechsträhne ist jedoch noch nicht zu Ende, da sie erneut die Fehlschläge ihrer Sonden "Phobos" 1 und 2 hinnehmen müssen, auch wenn Phobos 2 ein Teilerfolg ist, da die Sonde einige Monate lang Daten überträgt.

1993: Der Fluch des Mars trifft dieses Mal die amerikanische Marsmission "Mars Observer". Nach ihrer 10monatigen Reise explodiert die Sonde drei Tage vor dem Eintritt in die Umlaufbahn um den Mars während der Prüfung des einsatzbereiten Antriebssystems.

1996: Letzter bekannter Fehlschlag: die Sonde "Mars 96". Diese Sonde wurde von Russen, Franzosen und Deutschen entwickelt und ist ein echter technologischer "Weltraumdampfer". Kurz nach dem Start fällt sie wieder auf die Erde zurück und zerschellt im Pazifischen Ozean. Diese riesige Sonde enthielt etwa dreißig unterschiedliche Analysesysteme und stellte eine Investition von etwa 6 Milliarden FF (ca. 1,8 Milliarden DM) dar.

Sylvie Rouat


© 1997 ARTE G.E.I.E.