<GESCHICHTE>
Von der Renaissance bis zum Raumfahrtzeitalter
1500: Der dänische Astronom Tycho Brahe berechnet allein dank seiner
ausgezeichneten Augen und einiger Meßinstrumente sehr präzise
die Positionen des Mars. Zu jener Zeit sind die Astronomen noch
davon überzeugt, daß sich die Erde im Mittelpunkt des Universums
befindet.
1609: Galilei erfindet das Fernrohr. Mit diesem primitiven "Teleskop"
beobachtet er den Mars, wie kein Mensch ihn vorher gesehen hat.
Zur selben Zeit veröffentlicht Kepler seine Kommentare zu den
Marsbewegungen.
1659: Christiaan Huygens entdeckt das erste typische "Relief" des Mars:
eine große dunkle Zone, höchstwahrscheinlich Syrtis Major. Nacht
für Nacht beobachtet er diesen Orientierungspunkt während der
aufeinanderfolgenden Rotationen und kommt zu dem Schluß, daß die
Rotationszeit des Mars ähnlich der der Erde etwa 24 Stunden beträgt.
1666: Giovanni Cassini erstellt über zwanzig Zeichnungen des Mars und
bestimmt während dieser Beobachtungsphase die Länge eines Marstags
mit größerer Genauigkeit: 24 Stunden und 40 Minuten.
1672: Huygens beobachtet einen weißen Fleck, der sich über den gesamten
Südpol des Mars ausdehnt: Er hat eine Polkappe entdeckt.
1698: Huygens veröffentlicht Cosmotheoros. In diesem Werk behandelt er die Möglichkeit, daß sich auf anderen
Planeten des Sonnensystems Leben entwickelt hat, insbesondere
auf dem Mars. Hier wird vielleicht zum ersten Mal die Frage nach
der Existenz von außerirdischem Leben gestellt.
1719: In diesem Jahr ist der Mars näher an der Erde als in den vorangegangenen
284 Jahren. Seine besonders große Leuchtkraft führt zu panikartigen
Reaktionen in der Bevölkerung. Der rote Planet wird sich erneut
im Jahre 2003 der Erde nähern.
1777: Der britische Astronom William Herschel beobachtet die Marsatmosphäre
und kommt zu der Einschätzung, daß die Marsbewohner "vermutlich
unter Umständen leben, die in vielerlei Hinsicht mit dem Leben
auf der Erde vergleichbar sind". Herschel ist davon überzeugt,
daß alle Planeten bewohnt sind, und sogar der Meinung, daß die
Sonne eine hochentwickelte Zivilisation beherbergt, die in kälteren,
unter der glühenden Oberfläche verborgenen Regionen lebt.
1784: Herschel beobachtet die jahreszeitlich bedingten Änderungen der
Polkappen. Er schließt daraus, daß es auf dem Mars Eis und Schnee
gibt. Die dunklen Zonen auf der Marsoberfläche müssen dementsprechend
Ozeane sein.
1813: Flaugergues stellt fest, daß die Polkappen beim Wechsel der Jahreszeiten
rasch schmelzen. Er schließt daraus, daß das Marsklima viel wärmer
ist als das Erdklima.
1840: Die erste Gesamtkarte des Mars wird endlich erstellt. Sie ist
das Werk von Johann von Mädler und Wilhelm Beer vom Observatorium
Berlin.
1858: Der Jesuit Angelo Secchi erstellt seinerseits eine Marskarte.
Er tauft Syrtis Major in Atlantikkanal um. Das Wort "Kanal" ist
beliebt, da ein Jahr später die Arbeiten am Suez-Kanal beginnen,
eine der größten Ingenieurleistungen des Jahrhunderts. Der Kanal
wird 1869 fertiggestellt.
1860: Emmanuel Liais interessiert sich für die Vegetation auf dem Mars.
Seiner Auffassung nach sind die dunklen Zonen auf dem Mars keine
Ozeane, wie die meisten Beobachter bis dahin annahmen, sondern
Kontinente, die mit Vegetation bedeckt sind.
1862: Camille Flammarion veröffentlicht mit 19 Jahren La Pluralité des mondes habités (Die Mannigfaltigkeit der belebten Welten) und im Jahre 1892
La Planète Mars (Planet Mars), eine Art Kompilation aller bisherigen Studien über
den Mars.
1873: Die rote Farbe des Mars wird einer besonderen Vegetationsform
zugesprochen, insbesondere von Camille Flammarion.
1877: Giovanni Schiaparelli, der Leiter des Observatoriums Mailand,
führt eine neue Nomenklatur für die Kartographierung des Mars
ein. Er entlehnt die meisten Namen der Geschichte, der Literatur
und der Mythologie. Auf dem Höhepunkt des romantischen Zeitalters
tragen diese Bezeichnungen dazu bei, den Mars zu einem Planeten
zu machen, die die Phantasie aufs höchste anregt. 1877: Asaph Hall verkündet, daß er zwei Mars-Monde entdeckt hat. Er
nennt sie Phobos (Furcht) und Deimos (Schrecken).
1892: Camille Flammarion veröffentlicht den ersten Band seiner Enzyklopädie
La Planète Mars. Der zweite Band erscheint im Jahre 1909.
1895: Percival Lowell kündigt sensationelle Entdeckungen an, die die
Existenz der Kanäle von Schiaparelli beweisen sollen. Laut Lowell
haben die Marsbewohner dieses riesige Bewässerungssystem errichtet,
um der Verödung ihres Planeten entgegenzuwirken.
Ab dem Jahre 1887: Die Literatur greift die Phantasievorstellungen um den Planeten
Mars auf und erfindet zahlreiche Typen von Marsbewohnern: Humanoiden
(Lhomme de Mars von Guy de Maupassant - 1887), kannibalische Kraken (Der Krieg der Welten von Hubert George Wells - 1894), menschengesichtige Pinguine
(Gustave le Rouge), grüne Geschöpfe mit zahlreichen zusätzlichen
Gliedmaßen (Edgar Rice Burroughs)...
1905: Lowell füllt die Schlagzeilen der New York Times mit der Ankündigung, daß er mit seinem Assistenten Slipher zum
ersten Mal die Marskanäle fotografiert hat. Die Fotos werden 1907
im Century Magazine veröffentlicht. Das Ergebnis ist enttäuschend: die Fotos lassen
nicht viel erkennen, und es bedarf einiger Phantasie, um die Kanäle
zu sehen. Dies hindert jedoch das Wall Street Journal nicht daran, zu erklären, dies sei endlich der Beweis für das
Vorhandensein vernunftbegabter Lebewesen auf dem Mars.
1909: George Ellery Hale hingegen, der den Mars vom Mount Wilson aus
beobachtet, findet... keine einzige Spur von Lowells Kanälen!
1911: Während der Panamakanal gegraben wird, verkündet die New York Times, die Marsbewohner hätten in nur zwei Jahren zwei riesige neue
Kanäle errichtet.
1938: Am 30. Oktober strahlt der amerikanische Rundfunk Orson Welles
Hörspielfassung von Der Krieg der Welten aus. Unter der Bevölkerung bricht Panik aus. Eine Million Zuhörer
glauben, daß die Marsbewohner tatsächlich die Erde angreifen.
1947: Gerard Kuiper weist Kohlendioxid auf dem Mars nach. Es läßt sich
jedoch kein Sauerstoff finden.
1947: Werner von Braun definiert "Das Mars-Projekt". Die aus 10 Raumschiffen
und einer siebzigköpfigen Besatzung bestehende Flotte soll eine
Expedition zum Mars durchführen. Die Hin- und Rückreise zum Mars
und die Erforschung sollen laut von Braun insgesamt nicht mehr
als 520 Tage dauern. Die Raumschiffe sollen in der Umlaufbahn
über der Erde montiert werden. 1962 schätzt von Braun, daß das
Mars-Projekt innerhalb der kommenden 20 Jahre durchgeführt werden
kann...
1949: Die Astronomen, die vor kurzem entdeckt haben, daß die Umweltbedingungen
auf dem Mars sehr lebensfeindlich sind, kommen zu dem Schluß,
man könne auf dem Mars nichts anderes als Flechten finden.
1950: Veröffentlichung der Mars-Chroniken von Ray Bradbury.
1965: Am 15. Juli überfliegt "Mariner 4" den Mars. Die eigentliche
Erforschung des Mars beginnt.
Im selben Jahr beobachtet Schiaparelli Linien auf dem Mars. Er
nennt diese sofort "Kanäle". Diese Bezeichnung, die von dem von
Schiaparelli im Italienischen verwendeten "canali" stammt, bezieht
sich direkt auf die Existenz vernunftbegabter Lebewesen auf dem
Mars.
© 1997 ARTE G.E.I.E.